Trocknungsverhalten der Fassade: Warum trockene Flächen länger sauber bleiben

Eine Fassade, die morgens nass ist, hat keinen Mangel – sie folgt der Physik. Interessant ist nicht, ob sie feucht wird, sondern wie lange sie es bleibt. Genau diese Zeitspanne entscheidet mit darüber, ob sich Algen und Pilze ansiedeln können.

Warum Fassaden nachts feucht werden

Nachts gibt eine Außenwand Wärme als langwellige Strahlung an den freien Himmel ab. Dabei kann die Oberfläche kälter werden als die umgebende Luft. Sinkt sie unter die Taupunkttemperatur, kondensiert Luftfeuchtigkeit auf der Fläche – dasselbe Prinzip wie beschlagene Autoscheiben am Morgen.

Besonders ausgeprägt tritt der Effekt bei gedämmten Fassaden und WDVS auf: Weil kaum noch Restwärme von innen nachströmt, bleibt die äußere Schicht kühler. Gute Dämmung ist also nicht die Ursache eines Problems, sie verändert lediglich die Randbedingungen an der Oberfläche.

Die kritische Größe ist die Zeit

Algen und Pilze brauchen drei Dinge: Nährstoffe, Sporen aus der Umgebungsluft – und Feuchtigkeit über einen ausreichend langen Zeitraum. Die ersten beiden lassen sich an einer Außenwand kaum beeinflussen. Die dritte schon.

Deshalb ist die Trocknungsdauer die eigentliche Stellschraube: Je schneller eine Fläche nach Tauwasser oder Schlagregen wieder abtrocknet, desto kürzer ist das Zeitfenster für Bewuchs.

Trocknungsverhalten einer Fassade Querschnitt einer Fassade. Nachts bildet sich Tauwasser auf der Oberfläche. Tagsüber trocknet die Fläche ab: eine diffusionsoffene Beschichtung lässt Wasserdampf aus dem Bauteil entweichen, während Schlagregen außen abperlt. Nacht — Tauwasser bildet sich Untergrund Oberfläche kühlt unter denTaupunkt ab Feuchtigkeit schlägt sich nieder. Bleibt sie lange stehen, entstehen günstige Bedingungen für Bewuchs. Tag — die Fläche trocknet ab Untergrund Wasserdampf entweicht diffusionsoffener Aufbau Schlagregen perlt ab Je kürzer eine Fassade feucht bleibt, desto weniger Zeit steht Algen und Pilzen für die Besiedlung zur Verfügung. solarcolor Fassadenanstrich SH und RA — überstreichbar nach ca. 12 Stunden (Technisches Merkblatt, Stand 20.01.2025).
Nachts kühlt die Oberfläche unter den Taupunkt und wird feucht. Tagsüber entscheidet der Schichtaufbau, wie schnell sie wieder abtrocknet.

Was der Beschichtungsaufbau dazu beiträgt

Zwei Eigenschaften wirken hier zusammen, und sie widersprechen sich nur scheinbar:

  • Wasserabweisend nach außen. Schlagregen perlt ab, statt in den Untergrund zu ziehen. Es gelangt von vornherein weniger Wasser ins Bauteil.
  • Diffusionsoffen nach innen. Wasserdampf, der bereits im Bauteil ist, kann nach außen entweichen. Die Wand trocknet aus, statt Feuchte einzuschließen.

Der solarcolor Fassadenanstrich SH setzt dafür auf eine Silikonharz-Emulsion in Kombination mit einer Styrolacrylat-Dispersion. Die im Merkblatt beschriebenen Leichtfüllstoffe erzeugen ein gleichmäßiges Anstrichbild und erhöhen die Diffusionsfähigkeit der Schicht. Der Fassadenanstrich RA auf Reinacrylat-Basis ist auf mechanisch und witterungstechnisch stark belastete Flächen ausgelegt.

Beide sind nach ca. 12 Stunden überstreichbar. Bei niedrigen Temperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit verlängert sich diese Zeit – was zugleich zeigt, wie stark das Wetter die Trocknung bestimmt.

Verarbeitung: die +5-°C-Grenze ist keine Formalie

Luft- und Untergrundtemperatur müssen während Verarbeitung und Trocknung über +5 °C liegen. Darunter läuft die Filmbildung nicht vollständig ab, und genau die Eigenschaften, um die es hier geht – Wasserabweisung und gleichmäßige Schicht – werden nicht zuverlässig erreicht. Ebenso wenig sollte bei direkter Sonneneinstrahlung, starkem Wind oder auf warmen Untergründen gearbeitet werden.

Auf sandenden oder stark saugenden Untergründen gehört eine Vorbehandlung dazu; die solarcolor Grundierfarbe egalisiert die Saugfähigkeit und schafft die Basis für eine gleichmäßige Schlussbeschichtung.

Hinweis nach Biozidrecht – Fassadenanstriche SH und RA. Beide Produkte sind behandelte Waren im Sinne der Verordnung (EU) Nr. 528/2012 und werksseitig mit einer Filmkonservierung gegen Algen- und Pilzbefall ausgerüstet. Wirkstoffe: 2-Octyl-2H-isothiazol-3-on, Diuron, Zinkpyrithion. Ein dauerhaftes Ausbleiben von Algen- und Pilzbefall kann nach dem Stand der Technik nicht gewährleistet werden (BFS-Merkblatt Nr. 9, Abschnitt 6.1). Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Kennzeichnung und Produktinformation lesen.

Häufige Fragen

Warum wird meine Fassade nachts nass, obwohl es nicht geregnet hat?

Die Oberfläche gibt nachts Wärme an den Himmel ab und kann dabei kälter werden als die Luft. Unterschreitet sie den Taupunkt, kondensiert Luftfeuchtigkeit darauf – Tauwasser, nicht Regen.

Bekommen gedämmte Fassaden häufiger Algen?

An WDVS-Flächen strömt kaum Restwärme von innen nach, deshalb bleibt die Oberfläche kühler und Tauwasser tritt eher auf. Entscheidend bleibt, wie schnell die Fläche danach wieder abtrocknet.

Wie lange dauert es, bis der Anstrich überstreichbar ist?

Laut technischem Merkblatt ca. 12 Stunden. Bei niedrigen Temperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit verlängert sich die Trocknungszeit.

Kann ein Anstrich Algenbefall vollständig verhindern?

Nein. Ein dauerhaftes Ausbleiben von Algen- und Pilzbefall ist nach dem Stand der Technik nicht zu gewährleisten. Schneller abtrocknende Flächen und eine werksseitige Filmkonservierung verzögern den Befall, schließen ihn aber nicht aus.

Quellen: Technische Merkblätter solarcolor Fassadenanstrich SH und RA, Peter Hüssen Nachfolger Farben GmbH, Stand 20.01.2025. BFS-Merkblatt Nr. 9, Abschnitt 6.1. Alle Produktangaben beziehen sich auf die jeweils aktuellen Merkblätter im Downloadbereich.